Was die Wärmebildkamera zeigt: Von der Diagnose zur Dämmung
Ein Thermogramm sieht auf den ersten Blick eindrucksvoll aus: bunte Flächen, die scheinbar genau zeigen, wo ein Gebäude Wärme verliert. Doch die Farbskala einer Wärmebildkamera ist kein direktes Maß für den energetischen Zustand eines Gebäudes, sondern zeigt zunächst nur eines: Temperaturunterschiede auf der Oberfläche. Was diese Unterschiede bedeuten und wie sie richtig interpretiert werden, ist Thema dieses Beitrags.
Wie eine Wärmebildkamera funktioniert
Eine Wärmebildkamera misst nicht Wärme direkt, sondern die von einer Oberfläche abgegebene Infrarotstrahlung, die mit deren Temperatur zusammenhängt. Aus diesen Messwerten erzeugt die Kamera ein Bild, in dem jeder Bildpunkt einer gemessenen Oberflächentemperatur entspricht. Das Verfahren ist in der Bauthermografie als qualitative Methode etabliert: Es zeigt, wo relative Temperaturunterschiede auf einer Fassaden- oder Dachfläche auftreten – es berechnet aber keinen U-Wert und liefert keine quantitative Aussage über die Dämmleistung eines Bauteils. Die zugrunde liegende Norm, früher DIN EN 13187 aus dem Jahr 1999, wurde 2023 durch die DIN EN ISO 6781-1 ersetzt.
Was die Farben im Thermogramm bedeuten
In der Regel wird eine Farbskala verwendet, bei der warme Bereiche in Rot- und Gelbtönen und kühlere Bereiche in Blau- und Violetttönen dargestellt werden – die genaue Skalierung ist jedoch von Software zu Software und je nach Einstellung unterschiedlich und nicht genormt. Wichtig für die Interpretation: Die Farbskala ist relativ, nicht absolut. Ein und dieselbe Temperatur kann je nach gewähltem Skalenbereich unterschiedlich eingefärbt erscheinen. Deshalb lässt sich ein Thermogramm nicht allein anhand der Farbe beurteilen, sondern nur im Vergleich zu den umliegenden Flächen und unter Angabe der zugrunde liegenden Temperaturskala. Ein isoliert betrachtetes „rotes“ Bild ist noch kein Beleg für einen Schaden.
Grenzen der Interpretation
Neben der reinen Temperaturmessung beeinflussen mehrere Faktoren, wie zuverlässig sich ein Thermogramm interpretieren lässt. Unterschiedliche Materialien geben Wärmestrahlung unterschiedlich stark ab – in der Thermografie spricht man vom sogenannten Emissionsgrad einer Oberfläche. Glatte, glänzende oder stark reflektierende Oberflächen wie Glas oder Metall können deshalb im Thermogramm verzerrt oder unplausibel erscheinen, etwa weil sie eher die Umgebung spiegeln als ihre eigene Temperatur zeigen. Auch der Wind beeinflusst das Bild: Starker Wind kühlt Oberflächen ungleichmäßig ab und kann Temperaturunterschiede verwischen oder verstärken. Aus diesen Gründen wird eine Thermografie-Aufnahme in der Praxis meist bei möglichst windstillem Wetter und ohne direkte Sonneneinstrahlung auf die zu untersuchende Fläche durchgeführt – Sonnenlicht würde die Oberfläche zusätzlich erwärmen und echte Wärmeverluste im Bild überdecken.
Typische Auffälligkeiten an Fassade und Dach
Bei Gebäuden mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS) tauchen im Thermogramm wiederkehrende Muster auf:
Punktuelle, regelmäßig angeordnete warme Stellen deuten häufig auf Dübelabzeichnungen hin – die Befestigungsdübel der Dämmung leiten Wärme etwas stärker als das umgebende Dämmmaterial und werden dadurch sichtbar, meist ohne dass ein Schaden vorliegt.
Flächige, unregelmäßig verteilte warme Bereiche können auf Hohlstellen hinweisen, bei denen sich die Dämmplatte vom Untergrund gelöst hat, oder auf eine insgesamt zu dünne beziehungsweise beschädigte Dämmschicht.
Lineare warme Streifen entlang von Fugen oder Plattenstößen können auf unzureichend geschlossene Fugen oder auf Risse hindeuten, durch die Wärme entweicht.
Diese Zuordnung ist eine erste Einschätzung, keine gesicherte Diagnose. Wärmebrücken können auch konstruktionsbedingt und unvermeidbar sein, etwa an auskragenden Bauteilen wie Balkonplatten – hier zeigt das Thermogramm zwar eine Auffälligkeit, die aber nicht zwingend behebbar oder überhaupt ein Mangel ist.
Wo sich ein genauerer Blick lohnt
Nicht jede Auffälligkeit im Thermogramm erfordert sofortiges Handeln. Ein genauerer Blick – etwa durch eine Vor-Ort-Begehung oder eine zusätzliche Untersuchung – lohnt sich vor allem dann, wenn mehrere Anomalien in Kombination auftreten: großflächige, unregelmäßige warme Bereiche zusammen mit sichtbaren Rissen im Putz, oder wiederkehrender Algen- und Pilzbefall an denselben Stellen, an denen auch das Thermogramm eine Auffälligkeit zeigt. In solchen Fällen kann die Kombination aus optischer und thermischer Aufnahme einen begründeten Anlass liefern, die betroffene Stelle fachlich – etwa durch einen Energieberater oder ausführenden Betrieb – genauer bewerten zu lassen. Wichtig bleibt: Das Thermogramm liefert den Hinweis, die Bewertung und die Entscheidung über eine mögliche Maßnahme treffen andere Fachleute auf dieser Grundlage.
Warum Kontext genauso wichtig ist wie das Bild
Ein Thermogramm lässt sich nur sinnvoll einordnen, wenn zusätzliche Informationen zum Gebäude vorliegen. Dazu zählen der grobe Wandaufbau, das Baujahr, eventuell bekannte frühere Sanierungen sowie die Ausrichtung der jeweiligen Fassadenseite: Eine Südfassade erwärmt sich durch Sonneneinstrahlung anders als eine Nordfassade, was beim Vergleich unterschiedlicher Gebäudeseiten berücksichtigt werden muss. Auch die Nutzung dahinterliegender Räume spielt eine Rolle – ein beheizter Wohnraum hinter der Fassade erzeugt ein anderes Temperaturbild als ein unbeheiztes Treppenhaus oder ein Lagerraum. Wer ein Thermogramm ohne diesen Kontext betrachtet, läuft Gefahr, harmlose und tatsächlich relevante Auffälligkeiten zu verwechseln.
Aus diesem Grund liefern seriöse Auswertungen ein Thermogramm in der Regel nie isoliert, sondern zusammen mit einer optischen Aufnahme derselben Stelle, einer kurzen Beschreibung der vermuteten Ursache und – wo möglich – einer Einordnung, ob weiterer Klärungsbedarf besteht. Diese Kombination aus Bild und Einordnung unterscheidet eine fachlich fundierte Auswertung von einer bloßen Ansammlung bunter Bilder.
Auch die Tageszeit spielt eine Rolle: Am späten Nachmittag oder Abend, wenn die Fassade tagsüber Sonneneinstrahlung ausgesetzt war, zeigen sich andere Temperaturmuster als in den frühen Morgenstunden nach einer kühlen Nacht. In der Bauthermografie werden Aufnahmen deshalb häufig zu einem möglichst konsistenten Zeitpunkt geplant, meist in den frühen Morgenstunden, um den Einfluss vorangegangener Sonneneinstrahlung auf das Messergebnis möglichst gering zu halten.
Recherchestand
Thermografie ist laut DIN EN ISO 6781-1:2023 (Nachfolgerin der DIN EN 13187:1999) ein qualitatives Verfahren; es liefert keinen U-Wert.
Aussagen zur Farbskala (relativ statt absolut, softwareabhängig) sowie zu Emissionsgrad und Windeinfluss beschreiben allgemein anerkannte technische Eigenschaften der Thermografie, keine normierten Grenzwerte.
Die beschriebenen Schadensbilder (Dübelabzeichnungen, Hohlstellen, Rissmuster) folgen den allgemein bekannten Erscheinungsformen bei WDVS-Fassaden gemäß der Recherche-Grundlage dieses Netzwerks.
Anzeige
PSCoat als mögliche Antwort auf einen Diagnosebefund
Offenlegung in eigener Sache: Betreiberin dieser Seite ist die Zurynski, Oezdogan & Co GmbH — dieselbe Gesellschaft, die die im Folgenden beschriebene Beschichtung PSCoat vertreibt. Zeigt ein Thermogramm wiederkehrende Wärmebrücken oder Hohlstellen an einer WDVS-Fassade, ist eine Beschichtung wie PSCoat eine von mehreren Optionen für die anschließende Sanierung: eine dünnschichtige, nanotechnologiebasierte Beschichtung, die auf Gebäudehüllen, Dächern und technischen Anlagen aufgetragen wird, um die vorhandene Dämmebene zu ergänzen oder auszubessern. Wie sich das im Einzelfall auf das Wärmeverhalten einer Fassade auswirkt, lässt sich nur mit einer eigenen Messung vor und nach dem Auftrag beurteilen, nicht pauschal. Mehr zu Aufbau und Anwendung des Produkts liefert der Hersteller-Auftritt von PSCoat.