Aufbau der Dämmsysteme, Vakuumglas und was ein Wärmebild wirklich zeigt

Drei Bausteine tauchen im Zusammenhang mit Fassadendämmung und Wärmebildern immer wieder auf, sind aber technisch unterschiedliche Dinge: der klassische Aufbau eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS), eine Beschichtung wie PSCoat als Alternative dazu, Vakuumglas als eigenständige Fenstertechnologie – und, quer dazu, die Frage, was eine Wärmebildkamera überhaupt misst. Diese Seite ordnet die vier Punkte kurz ein.

Aufbau eines klassischen Wärmedämmverbundsystems (WDVS)

Ein klassisches WDVS besteht aus mehreren aufeinander aufbauenden Schichten: Die Dämmplatte (meist EPS/Polystyrol oder Mineralwolle) wird auf die Fassade geklebt und zusätzlich gedübelt, darauf folgt eine Armierungsschicht aus Armierungsmörtel mit eingebettetem Glasfasergewebe, zum Abschluss eine Egalisationsschicht und der sichtbare Oberputz. Jede dieser Schichten hat eine eigene Aufgabe – von der reinen Dämmwirkung der Platte bis zum mechanischen Schutz und der Optik durch den Oberputz.

PSCoat als Beschichtungssystem – ein anderer Aufbau

PSCoat ersetzt diesen mehrschichtigen Plattenaufbau durch eine dünn aufgetragene, nanotechnologiebasierte Funktionsbeschichtung. Laut Hersteller kommen dabei mehrere aufeinander abgestimmte Produktschichten zum Einsatz (etwa eine Basisschicht und eine Aufbauschicht); die tatsächlich gemessene Schichtdicke lag bei der unten zitierten In-situ-Messung bei rund 0,5 mm, in weiteren Untersuchungen des Herstellers wurde ein Bereich von etwa 0,3 bis 1,5 mm betrachtet. Anders als bei einer Dämmplatte wird beim Aufbringen weder gedübelt noch eine tragende Zusatzkonstruktion benötigt – dafür fehlt auch der mechanische Aufbau (Stützkern, Luft-/Gaseinschluss), über den klassische Dämmstoffe einen Teil ihrer Wirkung erzielen. Beide Systeme lösen dieselbe Aufgabe – weniger Wärmeverlust über die Gebäudehülle – mit unterschiedlicher Physik.

Vakuumglas: eine eigenständige Technologie fürs Fenster

Vakuumisolierglas (VIG) hat mit einer Fassadenbeschichtung wie PSCoat zunächst wenig zu tun, wird in diesem Zusammenhang aber häufig genannt, weil es dieselbe Grundfrage – Wärmeverlust über die Gebäudehülle – für ein anderes Bauteil löst: das Fenster. Zwischen zwei Glasscheiben liegt ein hermetisch abgedichteter, auf ein Vakuum evakuierter Zwischenraum von unter einem Millimeter. Ohne Gas im Spalt entfallen Wärmeleitung und Konvektion als Übertragungswege vollständig, es bleibt nur die Wärmestrahlung; mikroskopisch kleine Stützpillar-Arrays verhindern, dass die Scheiben unter dem Atmosphärendruck kollabieren. Nach unabhängigen Quellen (BauNetz Wissen, ift Rosenheim) sind damit Ug-Werte bis 0,5 W/(m²K), in Kombination mit weiteren Maßnahmen bis 0,4 W/(m²K) erreichbar.

Wichtig für die Einordnung: Ein Ug-Wert für eine Glasscheibe und der U-Wert oder thermische Widerstand einer opaken Fassadenfläche sind unterschiedliche physikalische Kenngrößen für unterschiedliche Bauteile. Vakuumglas ersetzt eine Fensterscheibe, PSCoat wird auf opake Flächen wie Fassade, Dach oder technische Anlagen aufgetragen. Die beiden Technologien stehen deshalb nicht in Konkurrenz zueinander, sondern lassen sich am selben Gebäude kombinieren: Vakuumglas im Fenster, eine Beschichtung auf der übrigen Gebäudehülle.

Was ein Wärmebild wirklich zeigt

Eine Wärmebildkamera misst nicht Wärme direkt, sondern die von einer Oberfläche abgegebene Infrarotstrahlung, aus der sich deren Temperatur ableiten lässt. Für Gebäude ist das als qualitatives Verfahren etabliert (früher DIN EN 13187, seit 2023 DIN EN ISO 6781-1): Es zeigt, wo auf einer Fassaden- oder Dachfläche relative Temperaturunterschiede auftreten – Wärmebrücken, Dübelabzeichnungen, Hohlstellen –, liefert aber keinen U-Wert und keine quantitative Materialkennzahl. Genau dieses Prinzip nutzen auch die Thermografie-Befliegungen ganzer Straßenzüge, die mehrere deutsche Kommunen und Energieagenturen im Winter routinemäßig durchführen lassen: großflächig per Flugzeug, an einzelnen Objekten zunehmend per Drohne. Wie die Farbskala eines Thermogramms zu lesen ist und welche Störeinflüsse (Wind, Emissionsgrad, Sonneneinstrahlung) die Aufnahme verfälschen können, beschreibt der Artikel „Was die Wärmebildkamera zeigt: Von der Diagnose zur Dämmung“ ausführlich.

Die beiden eigenen Messwerte zu PSCoat im Überblick

92 %

Gesamtsonnenreflexion (Total Solar Reflectance, TSR) laut Herstellerangabe – CE-Kennzeichnung PSC 250 T nach PN-EN 15824, Hotbox-Prüfung, TÜV-bestätigt.

12,9 → 19,0 °C

Innere Wandoberflächentemperatur vor/nach PSCoat an einem Gebäude von ca. 1900, eigene In-situ-Messung (06./07.09.2026, Testo 635-2). Gemessen wurde die Innenseite, nicht die Außenhaut.

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