Energieersparnis sichtbar machen: Thermografie vor und nach einer Sanierung
Eine energetische Sanierung kostet Geld – und viele Eigentümer möchten wissen, ob sich die Investition sichtbar auswirkt. Ein verbreitetes Mittel dafür ist die Vorher-Nachher-Thermografie: eine Wärmebildaufnahme vor der Sanierung, eine zweite danach, beide im direkten Vergleich. Richtig durchgeführt, kann dieses Verfahren Veränderungen im Wärmeverhalten einer Fassade sichtbar machen. Worauf es dabei ankommt, zeigt dieser Beitrag.
Warum ein einzelnes Thermogramm nicht reicht
Ein einzelnes Thermogramm zeigt immer nur eine Momentaufnahme unter bestimmten Bedingungen – Außentemperatur, Sonneneinstrahlung, Wind und die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen beeinflussen das Ergebnis erheblich. Zwei Aufnahmen derselben Fassade an unterschiedlichen Tagen können allein wegen unterschiedlicher Witterung deutlich anders aussehen, ganz ohne dass sich am Gebäude selbst etwas verändert hat. Für einen aussagekräftigen Vergleich reicht es deshalb nicht, irgendwann vor und irgendwann nach der Sanierung eine Aufnahme zu machen – die Aufnahmebedingungen müssen möglichst vergleichbar sein.
Das Prinzip der Vergleichsmessung
Das Grundprinzip ist einfach: Vor Beginn der Sanierungsmaßnahme wird die Fassade thermografisch erfasst und dokumentiert – inklusive der Rahmenbedingungen wie Datum, Uhrzeit, Außen- und Innentemperatur sowie Witterung. Nach Abschluss der Maßnahme wird die gleiche Fassade unter möglichst ähnlichen Bedingungen erneut erfasst. Im Idealfall lässt sich dann erkennen, ob sich Bereiche, die vorher als auffällig warm markiert waren, nach der Sanierung dem umliegenden Temperaturniveau angeglichen haben. Diese Methode wird sowohl bei einzelnen Gebäuden zur Eigenkontrolle als auch – in größerem Maßstab – von Herstellern und Anbietern energetischer Sanierungsmaßnahmen zur Dokumentation ihrer Wirkung eingesetzt.
Voraussetzungen für eine aussagekräftige Vergleichsmessung
Damit ein Vorher-Nachher-Vergleich belastbar ist, sollten mehrere Bedingungen möglichst übereinstimmen:
Vergleichbare Witterung: Beide Aufnahmen sollten bei ähnlicher Außentemperatur, ohne direkte Sonneneinstrahlung auf die gemessene Fläche und bei ähnlichen Windverhältnissen erfolgen.
Vergleichbare Temperaturdifferenz: Die Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur sollte bei beiden Terminen in einer ähnlichen Größenordnung liegen, da eine zu geringe Differenz kaum auswertbare Kontraste liefert.
Gleicher Aufnahmewinkel und Abstand: Um die Aufnahmen direkt übereinanderlegen oder zumindest optisch vergleichen zu können, sollten Kameraposition und -winkel möglichst identisch sein – bei einer Drohnenbefliegung lässt sich das über einen vorab gespeicherten Flugpfad gut reproduzieren.
Gleiche Kamera und Einstellung: Unterschiedliche Kameramodelle oder Farbskalen erschweren den direkten Vergleich zusätzlich.
Werden diese Bedingungen nicht eingehalten, sind Unterschiede zwischen den beiden Aufnahmen nur eingeschränkt oder gar nicht auf die Sanierungsmaßnahme selbst zurückzuführen.
Wofür sich eine Vergleichsmessung in der Praxis eignet
In der Praxis wird die Vorher-Nachher-Thermografie vor allem in drei Zusammenhängen eingesetzt. Erstens zur Eigenkontrolle durch den Eigentümer: Wer eine Sanierung beauftragt hat, möchte oft eine sichtbare Bestätigung, dass sich am Wärmeverhalten der Fassade tatsächlich etwas verändert hat. Zweitens zur Qualitätssicherung durch den ausführenden Betrieb selbst, der damit die eigene Arbeit dokumentieren und im Zweifel auch gegenüber dem Auftraggeber belegen kann. Drittens als Kommunikationsmittel gegenüber weiteren Beteiligten – etwa Miteigentümern, einer Hausverwaltung oder finanzierenden Banken –, denen ein bildlicher Vergleich oft leichter verständlich ist als ein reiner Zahlenbericht. In allen drei Fällen gilt: Die Aussagekraft steht und fällt mit der Vergleichbarkeit der beiden Aufnahmetermine, wie im vorigen Abschnitt beschrieben.
Was eine Vergleichsmessung zeigen kann – und was nicht
Richtig durchgeführt, kann eine Vorher-Nachher-Thermografie sichtbar machen, dass sich das Temperaturverhalten einer Fassade nach einer Maßnahme verändert hat – etwa wenn eine zuvor auffällig warme Fläche nach der Sanierung deutlich kühler erscheint als vorher, im Vergleich zur unveränderten Umgebung. Was sie nicht liefert, ist eine belastbare, prozentual genaue Energieeinsparung: Da es sich weiterhin um ein qualitatives Verfahren handelt, lässt sich aus dem Temperaturbild allein kein exakter Einspareffekt in Kilowattstunden oder Prozent berechnen. Konkrete Prozentangaben zur Energieersparnis, wie sie einzelne Hersteller für ihre Produkte veröffentlichen, beruhen in der Regel auf eigenen Messreihen oder Herstellerangaben und sollten entsprechend als solche gekennzeichnet und nicht mit dem Ergebnis einer einzelnen Thermografie-Vergleichsmessung gleichgesetzt werden. Für Eigentümer, die den Effekt einer Sanierung dokumentieren möchten, bleibt die Vorher-Nachher-Thermografie dennoch ein nachvollziehbares und vergleichsweise einfaches Mittel, um eine Veränderung sichtbar – nicht exakt beziffert – zu machen.
Dokumentation als Teil der Vergleichsmessung
Damit eine Vorher-Nachher-Thermografie später überhaupt nachvollziehbar bleibt, sollte die Dokumentation über den reinen Bildvergleich hinausgehen. Sinnvoll ist es, zu jeder Aufnahme die Rahmenbedingungen schriftlich festzuhalten: Datum, Uhrzeit, gemessene Außen- und möglichst auch Innentemperatur, Witterung sowie die verwendete Kamera samt Einstellungen. Diese Angaben erlauben es auch Dritten – etwa einem später hinzugezogenen Gutachter, einer Hausverwaltung oder einer finanzierenden Bank – nachzuvollziehen, ob die beiden Aufnahmen tatsächlich vergleichbar sind, und schützen davor, dass Unterschiede vorschnell auf die Sanierungsmaßnahme zurückgeführt werden, obwohl sie eigentlich auf unterschiedliche Aufnahmebedingungen zurückgehen.
Wer die Vorher-Aufnahme plant, sollte außerdem so früh wie möglich damit beginnen – idealerweise deutlich vor Sanierungsbeginn, damit bei ungünstiger Witterung am geplanten Termin noch ein Ausweichtermin bleibt. Wird die Vorher-Aufnahme erst kurz vor Baubeginn improvisiert nachgeholt, sinkt häufig die Sorgfalt bei der Dokumentation der Rahmenbedingungen, was die spätere Vergleichbarkeit erschwert.
Typische Fehlerquellen bei der Vergleichsmessung
Neben den bereits genannten Voraussetzungen gibt es einige Fehlerquellen, die eine Vergleichsmessung besonders leicht verfälschen. Regen oder Feuchtigkeit auf der Fassadenoberfläche vor der Aufnahme verändert das Temperaturverhalten spürbar, da verdunstendes Wasser die Oberfläche zusätzlich abkühlt – ein Effekt, der nichts mit der eigentlichen Dämmwirkung zu tun hat. Auch direkte Sonneneinstrahlung kurz vor der Aufnahme kann dazu führen, dass eine Fläche wärmer erscheint, als es ihrem tatsächlichen Wärmeverlust entspricht. Wer eine Vergleichsmessung plant, sollte solche Störeinflüsse möglichst ausschließen und im Zweifel einen Termin verschieben, statt eine Aufnahme unter ungünstigen Bedingungen zu erzwingen.
Recherchestand
Thermografie bleibt auch im Vorher-Nachher-Vergleich ein qualitatives Verfahren nach DIN EN ISO 6781-1:2023; eine quantitative, prozentgenaue Energieeinsparung lässt sich daraus nicht ableiten.
Die genannten Voraussetzungen für vergleichbare Aufnahmen (Witterung, Temperaturdifferenz, Aufnahmewinkel, Kamera) folgen den allgemein anerkannten Grundsätzen der Bauthermografie, sind aber keine abschließende Prüfnorm.
Konkrete Prozentangaben zur Energieersparnis sind, sofern nicht mit eigener Quelle belegt, grundsätzlich als Anbieter- bzw. Herstellerangabe zu kennzeichnen; dieser Beitrag nennt bewusst keine eigenen Prozentzahlen.
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Was PSCoat mit der Vergleichsaufnahme zu tun hat
Ein Hinweis vorab: Die Zurynski, Oezdogan & Co GmbH betreibt diese Seite und ist zugleich Anbieterin des im Folgenden vorgestellten Produkts PSCoat — daher an dieser Stelle die Offenlegung in eigener Sache. Wer eine Vorher-Nachher-Thermografie plant, um den Effekt einer Sanierung zu dokumentieren, bekommt eine Beschichtung wie PSCoat gelegentlich als eine der möglichen Maßnahmen genannt: dünn aufgetragen auf Fassaden, Dächer und technische Anlagen, um die vorhandene Dämmebene zu ergänzen. Ob und wie stark sich das im Thermogramm später ablesen lässt, hängt – wie im Beitrag beschrieben – von vergleichbaren Aufnahmebedingungen ab und lässt sich nicht pauschal beziffern. Weitere Angaben zum Produkt hält die Produktseite von PSCoat bereit.
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